Restauration Hinterachse 280TE

Restauration Hinterachse 280TE

 

Mit dem Kauf Ende August 2019 war klar, in absehbarer Zeit muss wieder eine Hinterachse gemacht werden. Nicht nur aufgrund der Laufleistung. Auch hier hatten sich die Vorbesitzer schon mal ausgetobt und so bspw. die Achse zwar ausgebaut, neue Lager eingebaut. Aber irgendjemand dachte sich es wäre ein gutes Geschäft einfach die alten Streben wieder zu verwenden. Entsprechend fuhr sich die Kutsche. Nun ja. Da von unseren Kombis dieses Exemplar durchaus das als am erhaltungswürdigste angesehen werden kann gibt es diesmal keine Kompromisse. Die Achse und alles drum herum muss alle anderen Restaurationen überflügeln. Ran ans Werk!

 

Material einkaufen und Tauschachse bauen

Wie immer bei solche einem Unterfangen ist Vorbereitung die halbe Miete. Für Leitungen, Schläuche, Halter usw. gehen gerne noch mal Unsummen drauf obwohl man sich eigentlich schon am Ziel wähnte. Das soll diesmal nicht passieren, schon aus Zeitgründen. Viele Leitungen der Spritversorgung sind bei Mercedes brutal teuer und vieles NML. Daher haben wir eine handvoll selbst anfertigen lassen, so unter anderem die lange Leitung von der hinteren Pumpe zum Pumpenpaket und die kurze Leitung zum Pumpenpaket zur Stahlleitung nach vorne. Dazu noch viel Meterware an Stahlleitungen, einiges an Überwurfmuttern.

Die Tauschachse ist schnell gemacht, ein Altteil besorgt welches möglichst wenig Korrosion aufweist und dann Pulver. Nur diesmal mit einem Klarlackfinish:

Der größte Unterschied zu den bisherigen Unterbodenbehandlung soll diesmal in der Nutzung von normalem Autolack liegen. Während man bei einem blauschwarzen, silbernen oder signalroten Auto RAL Töne nehmen kann sieht die Sache beim Kristallgrün anders aus. Wenn sich schon die Farbfindung beim Lackierer als schwierig herausstellt….

Als Basis kommt wieder eine Grundierung von Brantho aufs blanke Blech. Darauf wird dann Nahtabdichtung gelegt, diese nochmal mit Epoxydgrundierung überlackiert bevor es dann richtig lustig wird. Zwei Schichten Kristallgrün 1K und anschliessend viel 2K Klarlack. Und so füllt sich dann Kofferraum bis alles da ist was gebraucht wird:

 

So vorbereitet kann es los gehen, hoch den hintern und Achse raus….

Demontage der Altteile

Tank ausbauen, Auspuffanlage bis Mittelschalldämpfer ab, Differential an der Gelenkscheibe lösen. Druck aus den Dämpfern nehmen, Stabilisator lösen. Bremssättel hängen frei, Drehzahlsensor aus dem Diff geholt, Öl abgelassen. Und schon ist die Achse auf den Rangierwagenheber gelegt:

 

 


Bestandsaufnahme…

Leitungen alle marode, mussten wir teilweise schon flicken vorm Winter. Wichtiger ist aber der Zustand des Unterbodens selbst. Kaum Rost, Hinterachsaufnahmen auch innen ohne Befund. Stehbolzen für die Leitungshalter alle dran und die Gewinde gut. Einzig in den Kombi typischen Ecken der hinteren Tankhalter sitzt etwas Gilb, aber das ist schnell gemacht.

Ansonsten halt viel Dreck. Aber diesmal gibts die Achsen-Orgie tatsächlich ohne Zuhilfenahme des Schweissgeräts, verrückt! Weiter gehts damit den Unterboden komplett zu strippen, alles muss weg.

Jedes Teil was ausgebaut wird legen wir zur Seite um es mit den Neuteilen abzugleichen. Nicht vorhanden? Okay, bestellen.

Ein gern gemachter Fehler ist die Leitungshalter direkt zu entsorgen. Die Gummis sind meistens total versifft und gammelig, trotzdem tut man gut daran diese nach Möglichkeit zu retten. Warum? Allein die Variante für 2 dicke und 1 dünne Leitung kostet sage und schreibe 18€ das Stück. Man braucht so 4-5 davon.

Die alten Niveauleitungen aus Stahl sind bei den Vorbesitzern nato oliv lackiert worden. Nicht schön aber dafür sind sie absolut rostfrei. Die können tatsächlich so ins Lager. Das Pumpenpaket ist auch fällig für eine Überholung, neue Pumpe und Filter mindestens. Halter etc natürlich mit neuer Beschichtung, soll ja zum Rest passen.

Wenn alles demontiert ist gehts weiter, alles sauber machen und entrosten. Nehmen gerne mal siffenden Antriebswellen sind überkochende Diffs der Grund warum über der Achse meist eine ölige Kruste schlimmeres verhindert. Auch hier hilft ein Bad mit viel Kaltreiniger bevor der Winkelschleifer dem Rost zu Leibe rückt:

Soweit so gut. Im Vergleich zu den bisherigen Unterböden echt ein Spaziergang. Jetzt noch alles entfetten, einmal Verdünnung und einmal Silkonentferner. Dann gehts ans Abkleben. Hier gilt wie bei anderen Sachen auch, Vorarbeit spart Nacharbeit…

Lackieren

Ist der Wagen ordentlich in Folie gehüllt kann es los gehen. Ein knapper Liter Brantho Nitrofest in Rotbraun wird unters Auto geschossen. Circa 24 Stunden reichen um die Schicht vollständig aushärten zu lassen.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Darauf wird die Nahtabdichtung aufgetragten. Sowohl streichbare als auch gespritzt für die längeren Falze. All das wurde dann vorsichtshalber noch einmal mit einem Epoxydprimer abgedeckt. Notwendig oder nicht, darüber ließe sich streiten. Ich gehe kein Risiko ein, nochmal alles runter holen? Never ever… Also Mipa EP:

 

 

 

 

 

 

 

 


Darauf dann je zwei Schichten 256 Kristallgrün und kratzfesten HS Klarlack:

Aufgrund der eher geringen Temperaturen und der hohen Schichtdicken dauerte das Aushärten eine gute Woche bis wirklich alles montagefest war.

 

Montage der Neuteile

Los gehts mit der Spritversorgung und der Hydraulik. Das Pumpenpaket nebst Filter ist frisch gepulvert, der Tank neu lackiert. Diesmal restlos alles gelbverzinkt;

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Nachdem alle Stahlleitungen verlegt und verschraubt sind kommt endlich die neue Achse dran…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was jetzt noch fehlt sind Antriebswellen und Differential. Speziell das Differential brauchte einen neuen Anstrich, einer der Vorbesitzer empfand es als passend es Giftgrün zu lackieren. Also entlackt und in ein etwas passenderes Schwarz gehüllt:

 

 

Die Wellen haben nur einen Anstrich und neues Fett bekommen:

Jetzt fehlt eigentlich nur die Bremse, der Auspuff und ein paar Betriebsstoffe. Neues Hypoid-Öl für das Differential, ZH-M für die Hydraulik und 20 Liter Super in den Tank. Bremse entlüften  war diesmal irgendwie ein Krampf, erst mit Druck auf den ABS Block ließ sich der hintere Kreislauf vollständig entlüften – danke an den Helfer!

Ansonsten folgt das übliche Troubleshooting, Leitungen nachziehen etc. Hier und da tropft es anfangs, völlig normal.

 

Abschluss

Ein paar Kilometer um den Block ergeben keine weiteren Auffälligkeiten. Also ab zur ersten Achsvermessung ein Dorf weiter, TÜV steht auch an. Nach 500km folgt dann eine zweite Vermessung, die Achsen setzen sich teilweise noch sehr stark. Also alles noch einmal nachziehen, vermessen und dann die Verschraubung mit Markierungen versehen.

Fertig!

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