W124 Frontscheibe austauschen

„CarGlass repariert, CarGlass tauscht aus!“

Was uns seit Jahren überall in allen Medien verfolgt und gerne zu einem schwindenden Problembewusstein führt ist ein weiteres schönes Thema welchem wir uns hier widmen wollen. Für die meisten W124 Fahrer dürfte die Frontscheibe kein Thema sein welches ihnen schlaflose Nächte bereitet, die Selbstbeteiligung regelt doch alles im Falle des Falles. Nun, das mag bei geleasten Mini Cooper, 1er BMW oder dergleichen eine stimmige Rechnung sein, für uns Altautofahrer ergeben sich hier leider Probleme die uns schnell mit unnötigen Folgekosten überziehen. Im Falle eines Kaskoschadens rechnen die Glasdienstleister gerne mal vierstellige Beträge an die Versicherer ab was man durchaus einmal hinterfragen könnte, behaupten böse Zungen ja das die Mehrkosten gegenüber den tatsächlichen Kosten von gerne 200,00 – 300,00€ meist nicht vom Versicherer sondern eher von den Versicherungsnehmern getragen werden. Anderes Thema, zurück zum Auto!

Die bekannt berüchtigten Dienstleister in diesem Segment agieren heutzutage als straff durchorganisierte Unternehmen in denen jede Minute bares Geld ist. Das kann man niemandem verübeln, alle müssen sehen wo sie bleiben. Im Falle einer 2 Jahre alten Leasingrutsche welche stets und ständig morgens um 05:00 kalt auf der Autobahn mit 5m Sicherheitsabstand geprügelt wird sind Scheibenwechsel auch keine große Sache, hier kann man ohne Bedenken auf die Quick&Dirty Variante zurückgreifen. Geht ja eh bald zu Aufkäufern wie ALD&Co. wo sich dann junge Familien über top gepflegte Leasingrückläufer freuen können. Kommt aber ein Kamerad mit seinem 25 Jahre alten Mercedes um die Ecke sieht das ganze anders aus. Der Eigner ist eher selten geneigt die Stundensätze zu bezahlen die aufgerufen werden und die Dienstleister dürften auch weniger Interesse daran haben stundenlang an einem Altauto herum zu doktorn, speziell nicht wenn der quenglige Besitzer im Foyer hin und her tigert. In der gleichen Zeit lassen sich 5 Flottenfahrzeuge abfertigen, 1000€ x 5. Welche Kunden da wohl bevorzugte Behandlung geniessen?

Die Frage kann sich jeder selbst beantworten und zudem lässt sich mit dieser Denkweise auch erklären wie Fälle wie dieser hier zustande kommen:

Ein Mopf 2 Fahrzeug aus 1995 hat ab Werk eigentlich immer Colorverglasung, die verbaute Frontscheibe dürfte vom Zustand her keine 5 Jahre alt sein, sie ist nicht coloriert. Zudem ist sie eine originale von Mercedes was Rückschlüsse auf denjenigen zulässt welcher das nun kommende verzapft hat.

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Rost am Scheibenrahmen vorne entsteht durch genau 2 Dinge. Erstens durch Steinschläge, zweitens durch Personal welches nur noch arbeitet damit Ende des Monats ein paar Euros auf dem Konto landen. Bei Steinschlägen wird der Lack an A-Säule und am Dach zerschossen und das blanke Blech ist den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert. In meinem Fall gammelt es unter dem Scheibenkleber, und zwar grossflächig. Hier war also vor nicht allzulanger Zeit jemand so nett eine wohl defekte Scheibe herauszuschneiden und dabei so ziemlich überall den Lack zu zerstören. Ein paar Jahre später ist dann alles schön und gleichmäßig braun.

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Wenn ich solche Arbeiten sehe die höchstwahrscheinlich noch in einem Unternehmen ausgeführt wurden welches „Das Beste oder nichts“ proklamiert kann einem wirklich das Messer in der Tasche aufgehen. Warum aber dieses ewig lange Intro? Ich wollte aufzeigen was einem sprichwörtlich blühen kann wenn man diese letztendlich einfache Arbeit fremdvergibt, denn der Wechsel der Scheibe in Eigenregie ist alles andere als teuer.


Was brauchen wir also um das ganze selbst zu erledigen?

Die Einkaufsliste

  1. Frontscheibe nach Wahl (ab 80,00€ ohne Bedenken verwendbar, siehe Ebay)
  2. Scheibenkleberset (ich habe gute Erfahrungen mit Petec gemacht, googled das Set 83333)
  3. Schneiddraht (via Ebay oder Amazon)
  4. Malerkrepp (als Lackschutz & für die spätere Sicherung der neuen Scheibe)
  5. Verdünnung & Scheibenreiniger (für Aufkleber und gegen Fettfinger)

Optional:

  1. Saugheber (sofern man Spass an der Arbeit hat und es wieder tun möchte)
  2. Materialien zur Rostentfernung (Schleifen, Lackieren etc)
  3. Wischerblatt (ist einfach nett zusammen mit der neuen Scheibe)
  4. Klammern & Nieten für Zierleisten (nach VIN Zuordnung, Mopf 1 hat mehr als Mopf 2)

Wie so oft stellt sich bei solchen Themen die Frage wieviel wovon, was brauche ich wirklich. Eine 500m Rolle Schneiddraht kann im Idealfall ausreichend sein um noch im Rentenalter für alles gewappnet zu sein. Für einmalige Nummern reichen wohl 15-20m. Bedenkt das der Draht auch gerne mal reissen kann. Ist alles vollständig gehts ans eingemachte.


Der Ausbau

Verkleidungen

Zunächst zu Erklärung, der Scheibenrahmen muss komplett freigelegt sein da der Schneidedraht erbarmungslos ist, geflochtener geht auch gerne mal durchs Glas! Hier also mit den Lautsprechergittern beginnen und beide entfernen. Danach den Rückspiegel abziehen (mit viel Kraft!) und die Sonnenblenden ausbauen. Ist ein Schiebedach verbaut muss dieses geöffnet und die Alu-Zierleiste entfernt werden. Jetzt den Halter des Rückspiegels noch und die Dachverkleidung sollte sich nach hinten hin wegziehen lassen. Die A-Säulen Verkleidungen müssen von hinten nach innen gezogen werden, ergibt sich aber von selbst.

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Aussen müssen die Leisten der A-Säule sowie die Zierleiste am Dach abgehebelt werden. Nun noch die Lackstellen der Sichtflächen abkleben, gerne auch mehrfach. Jetzt kann es losgehen!

Scheibe herausschneiden

Der Draht wird an einer geeigneten Stelle durch den alten Scheibenkleber gestochen. Die Juristen schreien jetzt: „Definiere geeignet!“. Recht haben sie, die Stelle an der mit dem schneiden begonnen wird sollte idealerweise nicht in den Ecken sein, unterrostete Stellen sind auch nicht hilfreich. Wo bereits Brüche sind auch nicht schneiden, dort würde man nur die Scheibe zerschneiden. Mit einer Zange wird der Draht dann soweit durch gezogen das der Helfer und man selbst genügend davon in den hoffentlich gut eingepackten Händen halten kann. Stichwort Hände, es gibt spezielle Halter für den Draht, an dieser Stelle war ich meist zu geizig. Wickelt ihn um einen Schraubendreher, ein dickeres Stück Holz, jeder wie er mag. Handschuhe zu verwenden sollte selbstverständlich sein.

Nun wird geschnitten, der Kollege draussen sollte dabei das Kommando geben, sieht er doch am meisten. Der Helfer im Innenraum ist hauptsächlich dazu da den Draht zurück zu ziehen und um am Armaturenbrett herum die entsprechende Vorsicht walten zu lassen. Sollte es anfangen zu qualmen ist das ein gutes Zeichen, dann geht es nämlich zügig voran! Das Herausschneiden kann in 15 Minuten erledigt sein. Läuft es nicht so richtig gut auch gerne mal länger, Teamarbeit wie beim Rudern führt schneller ans Ziel!

Ist der gesamte Kleber zerschnitten heben wir die Scheibe heraus und stellen sie beiseite. Jetzt begutachten wir das Werk und suchen alles nach Rost ab. Ganz ohne gehts in den seltensten Fällen von statten, sucht bitte auch nach unterrosteter Dichtmasse im Bereich der A Säulen Zierleiste oben am Dachübergang sowie nahe den Wasserabläufen links und rechts in den Ecken.

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In meinem Fall mussten eigentlich die kompletten Klebereste der alten Scheibe entfernt werden, gut 75% waren von Rost unterwandert oder es hätte eben nicht mehr lange gedauert. Hierdurch verlängert sich das ganze um einen Tag da die neu aufgebrachte Lackschicht erst komplett durch getrocknet sein muss. Anschliessend erneuere ich alle Halteklammern am Scheibenrahmen da speziell die oberen nur bei ausgebauter Frontscheibe eingesetzt werden können. Hierfür die Klammern und Nieten bei Mercedes bestellen und eine passende Nietzange organisieren oder kaufen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIst alles gesäubert, lackiert etc beginnen wir mit den Vorbereitungen zum einkleben. Hierfür reinigen wir zuerst die Restkleberaupe mit dem mitgelieferten Reiniger und primern im Anschluss. Hierbei einfach die Anweisungen des Herstellers befolgen. Ist alles gut abgelüftet bringen wir die neue Kleberaupe auf, dafür das Endstück der Kartusche gemäß der Anleitung aufschneiden damit eine dreieckförmige Raupe entsteht. Die ersten 2cm müssen immer entsorgt werden.

In Ermangelung einer freien Hand sind vom kleben und einsetzen der neuen Scheibe keine Bilder entstanden, wohl aber danach. Die Scheibe sollte nachdem sie ausgerichtet und ganz leicht angedrückt wurde mit Klebeband gesichert werden.  Für 2-3 Stunden dürfen nun Türen am Wagen geschlossen werden solange die Scheiben geschlossen sind, durch den entstehenden Druck würde euch die neue Scheibe gleich wieder entgegen kommen.

Nun lässt man dem Kleber Zeit auszuhärten und fängt an alle Teile wieder an ihren Platz zu bringen, dem Wischer verpasst man idealerweise ein neues Wischerblatt. Dieses mal gab es einen Aerotwin von Bosch, bin gespannt ob die Teile wirklich mehr können als die Standard-Teile.

 

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Eine Fahrt in die nächstgelegene Waschstrasse gibt dann Aufschluss ob und wie sauber man gearbeitet hat, wir hoffen natürlich darauf das alles dicht ist! In meinem Falle drang kein Wasser mehr in den Innenraum ein und die restlichen Verkleidungen konnten wieder an ihren Platz wandern.

 

 

 

Und das Endergebnis!

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