Wagenheberaufnahmen schweißen am W124 & W201/190E

Wir gehen sie weiter durch, die klassischen Rostherde an Baureihe W124 und W201. Diesmal stehen die Wagenheberaufnahmen an unserem 190E 2.0 an, schon oft gezeigt aber auch auf wagen124.com dürfen diese natürlich nicht fehlen! Wobei diesmal relativ ist, ich habe es seit einem Jahr vor mir her geschoben. Daher an dieser Stelle auch ein vorgezogener Tipp, so schnell machen wie möglich. Die Aufnahme auf der linken Seite wäre letztes Jahr noch zu retten gewesen, nun musste sie komplett geschweißt werden.

Nun denn, ran ans Werk. Nicht mit abgelichtet ist die Demontage der Schwellerverkleidung welche ab 89 allen Modellen zuteil wurde und vorher nur an W201 und C124 (Coupe) verbaut war. Bei allen Modellen ist die Befestigung aber auf die gleiche Art und Weise realisiert, einen Haufen Schrauben in SW8 auf der Unterseite sowie evtl noch Kunststoffmuttern im vorderen Radhaus, je nach Ausstattungsumfang. Der gezeigte 190E verfügt über ein automatisches Sperrdifferenzial, kurz ASD, und hat damit die Steuereinheit vorne rechts im Radhaus separat verkleidet. Bei geöffneten Türen sieht man dann noch eine schwarze lange Gummidichtung, diese heraus ziehen und die darunter befindlichen Schrauben (meist Kreuzschlitz) entfernen. Zuletzt die Beplankungen an Kotflügeln und hinterem Radlauf entfernen und die letzten Schrauben lösen, dann kommt einem die ganze Verkleidung meist schon entgegen. Warum Schwellerspitzen, Wagenheberaufnahmen etc sich gerne in Eisenoxid auflösen erklärt sich auch spätestens jetzt, nicht selten hat man nun 1,5 kg Kompost in den Schuhen. Ich habe dort schon kleine Bäume wachsen sehen, kein Witz!

 

Jetzt kann es aber wirklich los gehen, die Wagenheberaufnahmen und ihre kleinen Brüder, die Hebebühnenaufnahmen liegen frei. Letztere verfügen über Gummipuffer welche man am besten heraus hebelt um adäquat arbeiten zu können.

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Wie man sieht hat der Rost sich alles geholt was er kriegen konnte, beiden Aufnahmen sind hinüber und müssen komplett ersetzt werden. Und dies um es einmal vorweg zu nehmen nur auf eine Weise, stumpf. Blech an Blech ohne Überlappungen. Schweißt man hier einfach einen neuen Lappen drüber wird die in stets und ständig vorhandene Feuchtigkeit irgendwann zwischen die Bleche krabbeln und von vorne anfangen alles aufzulösen.

Stumpfes einschweißen bedeutet allerdings auch mehr Vor – und Nacharbeit. Wieso zeigt das nächste Bild, denn nachdem der rostige Müll heraus getrennt ist müssen wir zuerst einmal ein neues Blech anfertigen.

 

 

 

Die Möglichkeit einfach Bleche im Internet zu bestellen, zB. auf wagenheberaufnahme.de ist durchaus eine Möglichkeit, muss man aber alle 4 Aufnahmen schweißen sind halt 120€ hierfür aufzubringen. Ich baue mir die Aufnahmen daher lieber selbst, auch wenn der Preis durchaus gerechtfertigt ist.

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Hierfür wird normales 0,8er Blech genommen, das Blech entsprechend vorgeschnitten und dann auf die Aufnahme am Auto angepasst. Für die Wölbung einfach eine 38er Nuss nehmen, das Blech darauf positionieren und mit einer 24er Nuss von oben unter Zuhilfenahme eines schweren Hammers die Wölbung in das Blech treiben. Die hierdurch entstandenen Verformungen einfach in einem Schraubstock wieder glätten, dann gehts weiter zur nächsten Station.

 

 

 

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Als nächstes muss das Loch für die Aufnahme des Wagenhebers gebohrt werden. Hierfür bediene ich mich gerne einer Standbohrmaschine, Stufenbohrer etc funktionieren aber genauso gut. Ist das Loch gebohrt kommt das Blech nochmal in den Schraubstock um es zu begradigen und die Kanten werden entgratet damit es sich später besser schweißen lässt.

 

 

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Das Blech ist nun soweit fertig und kann am Auto angepasst werden. Dies ist die eigentliche Arbeit denn hier geht am meisten Zeit ins Land. Das Blech ist perfekt angepasst wenn es mehr oder von alleine in der Öffnung hält und beide Bleche an allen Stellen 100% aneinander anliegen. Ist das nicht der Fall kann es unter Umständen passieren das das Schweissgut sich nur mit einem Blech verbindet da der Abstand zum anderen Blech zu groß ist. Die Folge ist das zuviel Hitze eingebracht wird und das Blech durchbrennt. Hier ist dann einiges an Mehrarbeit notwendig um die Löcher wieder zu verschliessen. Gut angepasste Bleche sind in 15 Minuten eingeschweißt, die Mehrarbeit im Vorwege lohnt sich also immer!

 

 

So sieht das ganze dann aus wenn man auch noch die Wölbung eingearbeitet hat, ab jetzt kann man das Blech einschweißen:

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Fast fertig:


Zweifach mit Brantho Korrux Nitrofest grundiert und mit Unterbodenschutz eingehüllt sieht das ganze dann so aus wie unten gezeigt, sobald der USchtz trocken ist wird nochmal grundiert und in Wagenfarbe lackiert.

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Vorm Winter folgt noch eine Hohlraumkonservierung, dabei werden die Schweller auch noch von innen auslackiert damit diese Stellen nie wieder rosten werden.

 

Soviel zu diesem Thema, was den 190er anbetrifft endlich n großer Haken auf der To do Liste!

 

~Sebastian

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