Zylinderkopfdichtung wechseln 230CE M102

Zylinderkopfdichtung wechseln 230CE M102

Seit 15 Jahren W124, jetzt das erste mal: Es hat die Zylinderkopfdichtung an meinem 230CE erwischt. Ärgerlich aber kein Weltuntergang, günstiger Teile und simpler Technik sei Dank.

 

Symptome gibt es viele, in meinem Fall ein schlagartiges erhitzen während der Fahrt. Stellenweise nur noch durch aufreißen der Heizung in den Griff zu kriegen hat es so den Motor wohl vor größeren Schäden bewahrt. Da ich dieses Jahr aber noch ein paar Kilometer fahren will muss es jetzt schnell gehen. Keine schönen Schrauben, Fokus auf Fahrbereitschaft!

Vorbereitungen

Gesagt getan, das benötigte Material also direkt bestellt. Was man mindestens austauschen sollte ist schnell erklärt:

  1. Zylinderkopfdichtung (Satz)
  2. Zylinderkopfschrauben
  3. Ventilschaftdichtungen
  4. Hydrostössel

Alles weitere ist optional oder der Optik geschuldet. Des weiteren habe ich es vorgezogen einige Schläuche sowie Schellen zu erneuern. Abhängig ist der gesamte Teileumfang aber immer davon wie viel in der Vergangenheit schon gemacht wurde. In meinem Fall kamen noch neue Einspritzdüsen dazu welche ich aber schon im Vorwege besorgt hatte.

Ansonsten einiges an Verbrauchsmaterial:

  • Motoröl und Filter
  • Kühlmittel
  • Kaltreiniger
  • Bremsenreiniger
  • Lappen & Tücher
  • Schleifpapier
  • Einschleifpaste

Aber der Reihe nach…

Zerlegen

Zuerst einmal muss all das entfernt werden was uns daran hindert die malade Dichtung genauer zu betrachten. Das wären Luftfilterkasten, Ventildeckel, Motorkabelbaum, Lichtmaschine, Lüfter inkl. Haube sowie der Keilriemen und das Thermostatgehäuse. Jedenfalls im ersten Schritt. Sind diese Teile alle demontiert liegt der Motor schon fast wehrlos vor uns. Ob der Wasserkühler demontiert werden muss oder nicht obliegt jedem selbst, die Gewebeschläuche vom Automatikgetriebe sowie der Kühler selbst hatte ich bei diesem Coupé schon erneuert. Entsprechend einfach war die Demontage. Sind die Teile alt und krustig sind schnell die nächsten 200€ fällig, hier also ggf. frühzeitig mit Rostlöser entgegenwirken!

 

Als nächstes knöpfen wir uns Saugrohr und Abgaskrümmer vor. Ansaugseitig ist meist alles recht einfach zu lösen. Auf der Abgasseite machen unzugängliche, verrostete Bolzen dem findigen Schrauber das Leben schwer. Wohl dem der Freunde mit kleinen Händen hat! Nun geht’s der rechten Gleitschiene an den Kragen. Hierfür benötigt man ein Werkzeug zum Ausziehen der Bolzen. Wir haben uns aus einer Verlängerung und einer grossen Nuss ein entsprechendes Werkzeug gebaut. Eine M6 Schraube vorne angeschweisst, fertig ist das Spezialwerkzeug. Durch die Schläge der Nuss werden die Bolzen langsam ausgetrieben. In unserem Falle saßen die Bolzen 27 Jahre an dieser Stelle, entsprechend wenig Kooperation zeigten sie.

Nun wird der Motor an der Kurbelwelle auf Zünd OT gedreht, dann die Nockenwelle vom Kettenrad gelöst. Durch eine Nut im Kettenrad ist eine falsche Montage ausgeschlossen.


Die Stunde der Wahrheit

Schraube hier, Halter da, ein paar Kleinteile noch und der Kopf liegt frei. Mit 2-3 Schlägen eines Gummihammers überreden wir den Zylinderkopf zur Aufgabe, der Schaden tritt zu Tage:

 

Ein Ausschnitt für Kühlwasser am vierten Zylinder war defekt. Hier konnte der Motor durch die Kompression das Kühlwasser in Richtung des Überlaufbehälters drücken. Der Kolben ist bereits schön ausgewaschen. Glück im Unglück, der vordere Zylinder hat offenbar bereits ähnliche Symptome gezeigt. Nockenwelle und Ventile ausgebaut, erster Baustopp!

 

Ob notwendig oder nicht, wir haben den Zylinderkopf zum Motoreninstandsetzer gebracht welcher selbigen planen sollte. Dabei wurde unter 1/10 Material vom Zylinderkopf abgetragen was absolut im Rahmen war. Auch wenn die Kollegen bei A-Z Motoreninstandsetzung es nicht gerne sahen, musste einfach mal draufhalten:

 

Fertig sieht das ganze dann schon langsam wieder nach einem Mercedes würdigen Teil aus! Eingepackt und zuhause erstmal in Kaltreiniger gebadet. Selbiges mit der Ansaugbrücke und allen Ecken im Motorraum die nur jetzt zugänglich sind. So gut kommt man dort nie wieder ran, also alles kräftig einweichen und dann mit Bremsenreiniger und Druckluft vom Dreck der letzten 27 Jahre befreien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 Der Zusammenbau

Wir nähern uns dem schönen Teil des Dramas, die Montage der Neuteile! Zuerst wird der Zylinderkopf wieder bestückt, mit gesäuberten und eingeschliffenen Ventilen und neuen Schaftdichtungen. Ein kurzer Test der Ventilführungen ergibt: alle noch stramm! Weiter geht’s mit den Kipphebelböcken welche ebenfalls vom Schleier der letzten Jahre befreit wurden. Bestückt sind sie mit neuen Hydrostösseln, auch wenn die alten noch ohne Geräusche liefen. Sicher ist sicher.

Zylinderkopfdichtung


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Montage verwenden wir neue Zylinderkopfschrauben, bei 16€ Materialaufwand wäre das Ausmessen mehr Aufwand. Die Planfläche des Motorblocks wird mit einem Ceranfeldschaber von groben Verunreinigungen befreit, die Kanäle gesäubert. Mit 240er Schleifpapier anschließend alles noch einmal abgezogen. Nun kommt endlich der Zylinderkopf wieder an seinen Platz.

 

Die Zylinderkopfschrauben werden eingeölt und in 3 Stufen nach Vorgabe festgezogen. Zuerst mit 55Nm, dann 2x 90°. Auch wenn es sich komisch anfühlt, Onkel Elring wird schon wissen was er tut. Die Nockenwelle positionieren wir entsprechend auch auf Zünd-OT, danach kann das Nockenwellenrad wieder an seinen Platz.

 

Jetzt sind wir soweit den Motor wieder zu komplettieren, Ansaugbrücke, Krümmer und Kühlung. Lichtmaschine und Riementrieb, das Zündgeraffel und ein paar Schlauchschellen welche zu ersetzen waren. Zu guter Letzt bekommt der M102 frisches Kühlmittel verabreicht und eine neue Ladung Motoröl. Allem Anschein nach hat das alte Kühlwasser auch seinen Weg ins Öl gefunden, also raus damit. Da der Motor jetzt wieder schön sauber ist, zumindest obenrum nutzte ich die Gelegenheit ihn auf schönes Vollsynthetisches 05W40 von Castrol umzustellen. Auf das er nie wieder so braun aussieht!


 

Läuft er?

Bestückt mit einem neuen Akku und Einspritzdüsen ist jetzt hoffentlich alles getan, spannend bleibt es trotzdem. Alles fest, alles dicht? Kurzes orgeln, husten und siehe da. Er läuft!

Wahnsinn, die erste kleine Motorüberholung auch geschafft. Im Winter noch den Krümmer aufhübschen, dann bin ich zufrieden.

Nächster Step 2018: M103!

 

 

 

 

 

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